Von Christoph Harlander, BA - „Wenn Sie mich fragen - Krise? - wo ist die Krise?“
(Dr. Franz Hartl, Direktor der Tourismusbank)

Das Platzen der US-Immobilienblase 2008 führte zu einer globalen Krise, die teils massive Herausforderungen nach sich zog. Die Folgen reichten von wirtschaftlichen Einbrüchen, bis hin zu Umstrukturierungen in zahlreichen Branchen. Auch Österreich blieb davon nicht verschont. Im Rahmen der Studie von Christoph Harlander, BA wurden erstmals die daraus resultierenden Auswirkungen auf die heimische 3- und 4-Stern-Hotellerie anhand von ausgewählten Kennzahlen untersucht. Die Forschungsfrage dazu lautet:

Wie hat sich die Wirtschaftskrise auf ausgewählte, für die 3- und 4-Stern-Hotellerie bedeutende, Kennzahlen in den Bilanzjahren 2008 bis 2012 ausgewirkt?

Mittels einer Methodentriangulation wurden Ergebnisse quantitativer als auch qualitativer Forschung verknüpft. Zunächst erfolgte die Berechnung und Darstellung von sieben definierten, aussagekräftigen Kennzahlen im Verlauf (n=2.170 Bilanzen). Das verwendete Datenmaterial wurde aus dem System der ÖHT, unter Berücksichtigung von definierten Repräsentativitätskriterien, gezogen.

  • Eigenmittelquote
  • Fiktive Entschuldungsdauer
  • ROI
  • GOP
  • GOP pro Zimmer
  • Bettenauslastung
  • RevPAR

Die anschließende Interpretation dieser Entwicklungen wurde durch Inhaltsanalysen von Experteneinschätzungen und unter Ergänzung einschlägiger Literatur vorgenommen. Als Experten standen etwa die Direktoren der Tourismusbank, Dr. Franz Hartl und Mag. Wolfgang Kleemann zur Verfügung.

Das Ergebnis zeigte, dass die Krise und ihre negativen Folgen zwar in aller Munde waren, die österreichische 3- und 4-Stern-Hotellerie in ihrer Gesamtheit davon aber mehr oder weniger verschont geblieben ist. Es konnten am Anfang der Krise freilich Einbrüche, wie beispielsweise bei den Nächtigungen, bei den Investitionen oder bei den Preisen (-23% von 2008 auf 2009) beobachtet werden, massive, nachhaltige Probleme entstanden aber für die heimische Hotellerie allgemein durch die Wirtschaftskrise nicht. Zurückzuführen ist dies mutmaßlich darauf, dass Erholung und Urlaub in der Kultur vieler Menschen einen unverzichtbaren Stellenwert innehaben, oder, dass auch die Maßnahmen seitens der Politik und der Finanzbranche, wie etwa der Europäischen Zentralbank, vielleicht Schlimmeres verhindern konnten. Ganz spurlos hat die Krise die Hotellerie jedoch nicht passiert, so konnten in einigen Kennzahlentwicklungen Zusammenhänge zur Krise beobachtet werden. Im Konkreten waren es vier durch die Krise hervorgerufenen Effekte, wie die

  1. Senkung des Leitzinssatzes, das
  2. Preisbewusstsein der Gäste,
  3. Preisdumping und die
  4. Offenhaltungszeit,

welche die Lage der Unternehmen beeinflussten und somit auch Folgen für die Entwicklung einiger der Kennzahlen hatten. Einen Zusammenhang dieser Kriseneffekte kann aber, wie in der grafischen Annäherung an ein Hypothesenmodell ersichtlich, lediglich bei vier der sieben untersuchten Kennzahlen determiniert werden.

  • Der Rückgang der Entschuldungsdauer, beeinflusst durch die von der EZB gesenkten Fremdkapitalzinsen
  • Der leicht abfallende ROI, beeinflusst durch die Dumpingpreise, um Auslastung zu erzielen (allgemeine Preissenkung als Furchtreaktion auf die Krise), und das spätere Preisanheben
  • Der vorerst rückläufige, dann aber steigende RevPAR, beeinflusst durch die Dumpingpreise, und anschließend durch die Verringerung der Offenhaltungszeit (als Mittel zur Kosteinsparung) gemeinsam mit dem allmählichen Anheben der Preise
  • Die Auslastung, beeinflusst durch das Preisdumping sowie durch das Preisbewusstsein der Gäste

Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf URG und andere ausgewählte Kennzahlen der österreichischen 3- und 4-Stern Hotellerie während den Bilanzjahren 2008-2012. 
Christoph Harlander, BA

Der Verlauf der Entschuldungsdauer und des ROIs wurde zusätzlich noch von unterschiedlichen anderen Größen bestimmt, welche sich im Zuge der Forschung herauskristallisiert haben, aber nicht in Zusammenhang mit der Krise gesehen werden können. Zu diesen Größen zählen die drei Effekte Inflation, Bilanzkosmetik und Investition, welche für die Veränderungen der drei noch unerwähnt gebliebenen Kennzahlen ebenfalls eine Rolle spielten.

Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf URG und andere ausgewählte Kennzahlen der österreichischen 3- und 4-Stern Hotellerie während den Bilanzjahren 2008-2012. 
Christoph Harlander, BA

Obwohl die Krise die 3- und 4-Stern-Hotellerie nicht mit voller Wucht getroffen hat, konnten dennoch Lerneffekte aus dieser Zeit erzielt werden, die für die Zukunft vieler Betriebe sicherlich bedeutend sind. Sei es etwa die

  • Preisregelung, also, dass sich eine kostendeckende Preisgestaltung als wichtiger darstellt, als eine hohe Auslastung, oder
  • die Offenhaltungszeit, die im Zuge einer sinnvollen Kosteneinsparung verringert werden kann.
  • Hoteliers entschieden sich dadurch auch vermehrt ertragsorientierte Investitionen (Betriebsgrößenoptimierungen, Qualitätsoffensiven etc.) durchzuführen und weniger in die „pure Schönheit“ zu investieren
  • Ein anderer wohl beachtenswerter Lerneffekt ist, trotz der Globalisierung, den heimischen Markt nicht außer Acht zu lassen,
  • um sich vielleicht auch in zukünftigen, schwierigen Zeiten, mit Gästen aus den Nahmärkten den Fortbestand zu sichern.

    Rückfragehinweis

    conos gmbh
    Christina Bamberger
    Tel.: +43 (0)732 21 6000
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